Seit 2014 verhilft der Gründer der Online-Plattform Geldbildung®, Stefan Obersteller, Anlegern mehr aus ihrem Geld zu machen. Obersteller ist Bankkaufmann und Ökonom mit Master-Abschluss der Elite-Universität St. Gallen  in der Schweiz und konnte bereits Auslandserfahrungen in Paris, London und Boston sammeln. In unserem Interview erklärt er aus einem unabhängigen Blickwinkel, wem wir bei der Geldanlage vertrauen dürfen, wie man für das komplexe Thema Verständnis entwickeln kann und welcher Zeitpunkt günstig für den Einstieg als langfristiger Anleger ist.

Herr Obersteller, Geldanlage und Altersvorsorge beschäftigt viele Menschen, überfordert sie aber auch häufig. Wie findet man am besten einen Einstieg in dieses komplexe Thema?
Einfach starten.  Ein erstes Buch zu diesem Thema kaufen oder mit einem Podcast starten. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich Podcasts ideal zum Einstieg in ein neues Thema eignen. Podcasts können auf dem Weg in die Arbeit oder beim Sport konsumiert werden. Mangelnde Zeit kann also kein Argument mehr sein.

Sollte sich aus Ihrer Sicht jeder Mensch mit dem Thema Geldanlage vertraut machen oder ist das nur ein Thema für Leute, die auch wirklich daran interessiert sind?
Es ist für jeden ein sehr wichtiges Thema. Das Thema ist ein zentraler Lebensbereich, der auf alle anderen Lebensbereiche ausstrahlt. Geld bestimmt in unserer Gesellschaft unsere Möglichkeiten.

Wie schätzen Sie die Rolle von Finanzberatern ein? Darf ich, überspitzt ausgedrückt, meinem Bankberater bei der Sparkasse vertrauen?
Ich rate zu einer kritischen Grundhaltung. Jeder hat seine eigene Agenda und die Agenda des Bankberaters muss nicht zwingend mit der Agenda des Kunden übereinstimmen.
Ohne Geldbildung und nur auf Basis der Empfehlung eines Bankberaters eine große Anlageentscheidung zu treffen, das halte ich für gefährlich bis naiv.

>> Zum Podcast: Warum Du einem Piloten mehr als einem Bankberater vertrauen solltest!

Seit der Finanzkrise gibt auf dem Tagesgeldkonto so gut wie keine Zinsen mehr. Welche Alternativen habe ich als (kleiner) Privatanleger?
Wer real Rendite erzielen möchte, der muss heute mehr Risiken eingehen.
Börsennotierte Indexfonds auf breite Aktienindizes stellen für viele Privatanleger eine ideale Möglichkeit dar, sich langfristig und kostengünstig am Produktivkapital der Wirtschaft zu beteiligen.

Ab welcher monatlichen Summe macht es überhaupt Sinn, sich mit dem Thema Anlage zu beschäftigen?
Ab jeder Summe. Jeder kann für unter 100 Euro seine ersten Erfahrungen an der Börse machen. In Deutschland ist die Konkurrenz unter den Direktbanken sehr hoch. Das kommt gerade Kleinanlegern zugute. Der Kauf von Wertpapieren wird immer günstiger bzw. ist teilweise sogar im Rahmen gewisser Aktionen kostenfrei.

Welche Rolle spielt das Thema Steuern bei der privaten Anlage?
Es spielt eine wichtige Rolle, aber nicht die Entscheidende. Eine schlechte Geldanlage wird nicht durch steuerliche Attraktivität zu einer kaufenswerten Geldanlage.

Der Immobilienmarkt scheint aufgrund der niedrigen Zinspolitik überteuert. Sollte man sich trotzdem jetzt mit dem Kauf eines Eigenheims auseinandersetzen oder lieber warten?
Der Immobilienmarkt ist ein sehr breit gefächerter Markt. Aus diesem Grund ist es immer schwierig pauschal über den gesamten Markt zu sprechen.
Generell sollte ein Eigenheim nicht primär als Investment gekauft werden, das ist es nämlich oft nicht, sondern eher aus emotionalen Gründen.
Die niedrige Zinspolitik ist ein zweischneidiges Schwert: Einerseits können sich mehr Menschen eine Finanzierung leisten und diese wird günstiger und andererseits treibt dies natürlich auch die Preise.
Wer es sich leisten kann und wer den großen Wunsch nach einem Eigenheim hat, der kann sich auch heute mit dem Kauf eines Eigenheims auseinandersetzen.

Brexit und Trump-Wahl habe viele Menschen und die Wirtschaft letztes Jahr überrascht und verunsichert. Trotzdem stehen DAX und Dow Jones auf Höchstständen. Wie ist das zu erklären?
Die politische Lage hat nicht zwingend etwas mit der Entwicklung an den Börsen zutun. Generell sind Zeitpunkte der Angst und der Verunsicherung gute Einstiegszeitpunkte für langfristige Anleger.

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Welche Bücher sollte man Ihrer Meinung nach unbedingt gelesen haben, wenn man sich mit dem Thema Geldanlage beschäftigen möchten?
Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs: Wie Privatanleger das Spiel gegen die Finanzbranche gewinnen“ von Gerd Kommer und „Der einfache Weg zum Wohlstand: Mehr verdienen, weniger riskieren und besser schlafen“ von Gottfried Heller kann ich empfehlen.