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In unserem Blogbeitrag sprechen wir mit Dr. Bernd Geropp über Führung – welche Rolle sie in modernen Unternehmen noch spielt, welche Fähigkeiten man dafür benötigt und welche Bücher Sie bei der Formung einer Führungspersönlichkeit unterstützen. Geropp arbeitet seit 2009 erfolgreich als Geschäfts-führercoach und Führungstrainer. 2013 erschien sein Buch „Ist die Katze aus dem Haus“, in dem er sich intensiv mit der Mitarbeiterführung auseinandersetzte. Anschaulich zeigt er in diesem auf, welche bedeutende Rolle Vertrauen bei Mitarbeiterführung spielt und wie man die Balance zwischen Eigenverantwortung und Vorgaben finden kann.

Herr Geropp, was bedeutet „Führen“ Ihrer Meinung nach in der heutigen Zeit?

Führen bedeutet, festlegen, wo es hingehen soll. Wenn Sie führen, beschäftigen Sie sich mit der Zukunft Ihres Unternehmens oder Ihres Bereichs und natürlich mit Ihren Mitarbeitern.

Sie arbeiten an der Vision Ihres Unternehmens, formulieren Ziele und Strategien. Sie denken über Innovationen, Positionierung und Kundennutzen nach und verbessern die Prozesse in Ihrem Unternehmen. Sie sprechen mit Ihren Mitarbeitern, diskutieren, informieren und begeistern.

Beim Managen hingegen konzentrieren Sie sich hauptsächlich auf Vorgänge, nicht auf Menschen oder die Zukunft: Es geht vielmehr um Tagesgeschäft, Verwaltung, Ressourcenzuteilung, Budgeterstellung, Kosten und Risikomanagement, Analyse und Kontrolle. Selbstverständlich müssen Sie als Führungskraft beides tun: Sie müssen führen und managen.

Aber als Führungskraft ist es vor allem Ihre Aufgabe den Überblick zu behalten, das große Ganze zu sehen und sich mit der zukünftigen Ausrichtung Ihres Unternehmens oder Ihres Bereichs zu beschäftigen.

Inwieweit ist Führen in einem Unternehmen eine Fähigkeit, die man lernen kann oder die von der eigenen Persönlichkeit abhängt?

Ich bin davon überzeugt, dass jeder führen lernen kann. Entscheidend ist allerdings die Einstellung: Ich muss führen wollen. Dazu gehört, sich mit sich selbst zu beschäftigen und die eigenen Werte, Stärken und Schwächen zu kennen.

Angenommen, ich habe die Aussicht als Mitarbeiter in einem Unternehmen in eine Führungsposition aufzusteigen. Was würden Sie einer solchen Person raten, wie sie sich am besten auf diese Herausforderung vorbereiten kann?

Kenne Deine Werte, Stärken und Schwächen. Lerne zu priorisieren und fokussiert zu arbeiten, gut zu kommunizieren und vor allem gut zuzuhören. Beschäftige Dich mit den Erwartungen, die an eine Führungskraft speziell in dem Unternehmen, für das Du Dich interessierst, gestellt werden.

Wie weit komme ich als angehende Führungsperson mit autodidaktischem Lernen? Ab wann sollte ich Kurse oder Coaches in Betracht ziehen?

Jede Führungskraft sollte die Fähigkeit haben, sich bis zu einem gewissen Grad autodidaktisch weiterzubilden, sei es beispielsweise mit Büchern, mit Podcasts oder Online-Lernmaterialien. Das reicht aber nicht. Zusätzlich ist es in jedem Fall nötig, auch sich durch den Kontakt mit anderen weiterzubilden, sei es durch die Teilnahme an Trainings, Konferenzen oder Masterminds oder durch Coaching.
Jeder von uns hat blinde Flecken und benötigt deswegen Feedback von anderen.

Welchen Einfluss hat fachliche Kompetenz auf die Fähigkeit, Mitarbeiter erfolgreich führen zu können?

Fachliche Kompetenz kann hilfreich sein, um von den Mitarbeitern akzeptiert zu werden. Viel wichtiger ist aber die Fähigkeit sich schnell in ein Thema einzuarbeiten, um so einschätzen zu können, ob das, was von einem Experten gesagt wird, stimmig und logisch ist. Dazu muss ich nicht Experte sein.
Wer als Führungskraft sich zu viel auf seine eigene Fachkompetenz verlässt, hat es häufig schwer aus der Expertenrolle in die Führungsrolle zu wechseln. Er glaubt ja als Experte alles besser zu wissen und tut sich deshalb schwer mit dem Delegieren.

Merken Sie in Ihrer Arbeit als Coach einen Unterschied, wenn Sie eine belesene Führungskraft gegenüber haben?

In der Regel ist eine belesene Führungskraft eher bereit, sich selbst zu hinterfragen und sich auf andere Gedanken und Einstellungen einzulassen.

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In Ihrem Buch „Ist die Katze aus dem Haus…“ sprechen Sie sich dafür, als Führungskraft den eigenen „Mäusen“ zu vertrauen. Bedarf dies Ihrer Meinung nach nur einen Sinneswandel bei den Führungskräften oder sind die Mitarbeiter hier genauso gefragt?

Es kostet Selbstüberwindung auf Vertrauen zu setzen – und ein bestimmtes Maß an Ungewissheit auszuhalten. Es braucht Selbstbewusstsein und Mut anderen zu vertrauen. Denn Vertrauen kann enttäuscht werden – das gilt für Mitarbeiter wie auch für Führungskräfte.
Wer nicht akzeptiert, dass er bis zu einem gewissen Grad vertrauen muss, der ist als Führungskraft in jedem Fall fehl am Platz.

Hierarchische Strukturen gelten in modernen, kreativen Unternehmen als verpönt. Gibt es aus Ihrer Sicht noch Unternehmen, in denen eine tayloristische Arbeitsstruktur sinnvoll ist?

Da wir in kreativen Unternehmen intrinsisch motivierte Mitarbeiter benötigen, halte ich in den meisten Situationen die kooperative Führung für den richtigen Ansatz. Sie bedingt Offenheit, Wertschätzung und ein hohes Maß an Freiraum für die Mitarbeiter.
Das heißt aber nicht, dass es keine Führungsrollen und damit eine Art von “Hierarchie” gibt. Selbst in weitgehend demokratisch geführten Organisationen werden Verantwortliche bestimmt.

Gibt es Bücher, die man als (angehende) Führungskraft aus Ihrer Sicht unbedingt gelesen haben soll?

Je nach Persönlichkeit und Lebenssituation spricht man auf ganz unterschiedliche Bücher an. Man sollte in verschiedene Bücher einfach rein lesen und sehen, ob sie einen in der jetzigen Lebenssituation ansprechen.
Mich haben vor wenigen Jahren zwei Bücher sehr inspiriert: Simon Sinek: “Start with Why” und Stefan Merath:”Der Weg zum erfolgreichen Unternehmer

Was liest ein Bernd Geropp eigentlich privat?

Ich lese gerne spannende Krimis und faszinierende Science Fiction